... bei Elisabeth Kühn vom Tagfalter-Monitoring

Elisabeth Kühn Bild: Stefan Michalski

Bild: Stefan Michalski

Inspiriert von einem Vortrag in den Niederlanden hat die Biologin das Projekt Tagfalter-Monitoring 2005 mit auf die Beine gestellt. Am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) ist Elisabeth Kühn als wissenschaftliche Mitarbeiterin seitdem für die Koordinierung des Projektes zuständig - und bloggt über aktuelle Erkenntnisse im Falter-Blog.
 

Wo sind Sie zum ersten Mal mit Citizen Science in Berührung gekommen und was hat Sie bewegt, dabei zu bleiben?

Vor vielen Jahren habe ich einen Vortrag über das Tagfalter-Monitoring in den Niederlanden gehört. Ich war beeindruckt von der hohen Beteiligung und der Begeisterung der Koordinatoren. Die Kombination aus Datenerhebung für die Wissenschaft, Freude an der Natur und einem aktiven Beitrag für den Natur- und Artenschutz fand ich sehr spannend.
 

Wie kam Ihnen die Idee zu Ihrem Projekt? Und warum wollen Sie Bürgerbeteiligung?

Ein Tagfalter-Monitoring mit Bürgerbeteiligung gibt es schon seit vielen Jahren in Großbritannien und den Niederlanden. In unserer Arbeitsgruppe haben wir uns vor nunmehr 12 Jahren überlegt, dass man ein solches Projekt auch in Deutschland durchführen könnte. Es ist eine einmalige Möglichkeit, große Datensätze über einen langen Zeitraum hinweg zu erheben. Dieser Arbeitsaufwand ist nur mit Bürgerbeteiligung zu schaffen.
 

Worum geht es in Ihrem Projekt?

In unserem Projekt geht es darum, die Situation und Entwicklung der Schmetterlingsbestände in Deutschland zu erfassen. Seltene Arten und besondere Lebensräume (z. B. in Naturschutzgebieten) sind meist schon sehr gut untersucht, aber wie es den häufigen Faltern in der „ganz normalen“ Landschaft geht, weiß man noch nicht so genau. Deshalb bitten wir ehrenamtliche Falterfreunde, für uns auf festgelegten Strecken in ihrer Umgebung möglichst über viele Jahre hinweg die Falterarten zu erfassen und zu zählen.
 

Womit ringen Sie in Ihrem Arbeitsalltag am meisten?

Die Hauptarbeit übernehmen in unserem Projekt die ehrenamtlichen Schmetterlingszähler, und das funktioniert erstaunlicherweise ohne größere Probleme. Manchmal spielt allerdings die Technik nicht so mit, wie wir uns das wünschen. Wenn mitten im Sommer bei schönstem Wetter viele Falterzähler Daten erfassen und diese online eingeben möchten und dann die Online-Erfassung nicht funktioniert, dann kann schon mal Stress aufkommen. Aber meist konnten wir das Problem rasch beheben.
 

Mal ehrlich: Gab es auch Fehlversuche oder Enttäuschungen? Was würden Sie beim nächsten Mal anders machen?

Ich habe im Laufe der letzten Jahre viel dazu gelernt und würde einige Dinge sicher mittlerweile anders machen. Richtige Fehlversuche oder Enttäuschungen gab es jedoch nicht – wir sind gemeinsam gewachsen! 
Gelernt habe ich, dass für ein Projekt mit einer solch großen Datenmenge die Erfassung, Verwaltung und Analyse der Daten ganz zentrale Punkte sind. Zu Beginn unseres Projektes waren wir technisch noch nicht so weit, aber heute würde ich mir gleich zu Beginn eines solchen Projektes eine gute App zur Erfassung der Daten und exakten Verortung der Zählstrecken wünschen. Daran arbeiten wir zurzeit.
 

„Die Neugier steht immer an erster Stelle eines Problems, das gelöst werden will“, weiß Galileo Galilei. Was sind darüber hinaus die drei wichtigsten Eigenschaften, um bei dem Projekt mitzumachen?

Wer sich an unserem Projekt beteiligen möchte, muss Freude daran haben, in der Natur unterwegs zu sein. Dann ist es wichtig, dass man sich mit Schmetterlingen auskennt oder bereit ist, die Arten kennen zu lernen. Darüber hinaus müssen die Teilnehmer auch etwas Zeit mitbringen, denn optimalerweise sollte die Falterzählung jedes Jahr in der Zeit von April bis September einmal pro Woche durchgeführt werden.
 

Gummistiefel und Fernglas, Toolkit oder App – wie technisch versiert sollten Ihre Mitforscher sein? Was kann man in Ihrem Projekt dazulernen? 

Wer die heimischen Schmetterlingsarten noch nicht kennt, der lernt sie im Rahmen unseres Projektes ganz sicher kennen. Bei Fragen zur Bestimmung stehen in vielen Regionen regionale Experten zur Verfügung oder wir beantworten Fragen zentral von Halle aus. Darüber hinaus bieten wir Bestimmungshilfen auf unserer Homepage an, stellen ein Übersichtsposter aller Tagfalterarten in Deutschland zur Verfügung und gehen in unseren Jahresberichten auch auf spezielle Themen ein. Wer regelmäßig am PC arbeitet, kann die erhobenen Daten selber online eingeben – alle anderen können uns die Daten zur Eingabe zusenden.
 

Ihr schönster Citizen Scientist-Moment – wie war der? Was war der größte Erfolg der gemeinsamen Forschung? 

Besonders schön für mich persönlich ist der tägliche Kontakt mit den ehrenamtlichen Falterzählern. Ich freue mich stets über nette und interessante Emails, Briefe oder Telefonate und bin immer wieder neu beeindruckt, mit wie viel Begeisterung und Engagement sich Menschen an unserem Projekt beteiligen. Die Teilnehmerzahl ist in den letzten Jahren stetig gestiegen von anfänglich ca. 300 Teilnehmern auf mittlerweile rund 700 aktive Falterzähler. Diese Menschen haben eine große Masse an Daten zusammengetragen, die für uns eine wichtige Basis für wissenschaftliche Auswertungen darstellen.
 

Wo kann man Ergebnisse Ihres Projektes sehen?

Allgemeine Infos zum Projekt, Bestimmungshilfen sowie unsere Jahresberichte gibt es auf unserer Homepage www.tagfalter-monitoring.de
Aktuelle Neuigkeiten gibt es auch auf unserer Facebook-Seite (https://www.facebook.com/tmdufz)
Darüber hinaus sind wir nun auch unter die Blogger gegangen und werden regelmäßig in unserem „Falter-Blog“ (http://blogs.helmholtz.de/falter-blog/) über aktuelle Themen rund um das Thema bloggen


Noch mehr "Nachgefragts"?

=> zur Interviewreihe

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